Any day could be the last nice day for a long time.

Only fools believe they won’t get fooled again

Einsame Zielfahne in Brandenburgischem Wald, daneben ein alter Mann in Klappstuhl

Zurück auf gewohntes Terrain: MTBO bei Petzow. Wegen angedrohter Bahnausfälle beginnen wir den Tag vor sieben, und dann klappt einfach alles und wir kommen 3h zu früh an, aber ich steh halt supermüde am Start der Langstrecke Einzel am Samstag. Aber Rennmodus funktioniert, Hirn ist sofort da, Wetter auch perfekt zum Fahren, nur in den Tagen zuvor hätt’s gerne mehr regnen können, denn der Wald ist eine verdammte Sandgrube und meine Beine sind immer noch restmüde vom Marathon. Somit ist es vermutlich als Erfolg zu werten, dass ich Platz 3 von 4 belegen konnte, eh wir dann weiter zum bekannten KiEZ “Inselparadies” radelten, wo am Sonntag der Teamwettkampf (4h Score) starten sollte.

Rennstart im Kiefernwald, Juja hat auf den ersten Metern schon 50% Rückstand

16 Mixed-Teams am Start, insgesamt 47 Mannschaften, im MTBO zählt das als Rekordbeteiligung, das ist mein Sport. Allerdings sind da also 15 andere Mixed-Teams und die haben teilweise auch sehr kantige Beine und rasen uns mühelos davon, mit Irma und Oleg spielen wir aber trotzdem Hase und Igel und treffen sie dann irgendwie an jedem Posten wieder, wer weiß was die dazwischen machen. Im Süden der Karten fangen wir dann aber schon an, zu kürzen und zu streichen und sehen die anderen in Richtung der Posten davonfahren, die wir uns nicht mehr zutrauen, denn bei mir ist schon nach 2h ganz schön die Luft raus und der Kacksand trägt nicht bei zu euphorischer Gesamtstimmung; eher fang ich schon wieder an, mit grimmigem Gesicht “Brandenbuuurg” zu singen. Immerhin trägt meine Langsamkeit dazu bei, dass Justus gemütlich fahren und mühelos denken kann und uns schlau und präzise zu sämtlichen übrigen anvisierten Posten navigiert – den letzten, mitten in einem komplizierten Geflecht von Minipfaden, hätte ich mit diesem leeren Hirn nie gefunden. An der finalen Kreuzung treffen wir Irma und Oleg wieder und da geht dann doch noch ein Zielsprint (den wir gewinnen), vielleicht muss ich echt mal an meiner Geisteshaltung arbeiten. (Für heute hat sie überraschend gereicht für Platz 2, hurra!)

Improvisiertes Siegertreppchen auf der KiEZ-Treppe

(Alle Fotos vom OLV Potsdam.)

Jas kana meres merava pala late

Juja kaputt und bananenfressend im Ziel, mit weiteren Vorratsbananen in Reichweite

Jetzt mal was anderes: am Pfingstmontag haben wir Freizeit, aber weil man Freizeit ja nicht mit Nichtstun verplempern kann, hat uns Justus den Mountainbikemarathon in der Dresdner Heide gefunden. Ein Rennen, in dem die Strecke mit roten Pfeilen und in Richtungen zeigenden Menschen markiert ist, wir kriegen keine Karte und müssen nicht denken, komisches Konzept. Heißt das, da kommt’s auf die Beine an? Hui.

Vorm Start verfalle ich schon einer seichten Panik, denn alle Anwesenden haben teures Material und kantige Körper, in enganliegendes teures Lycra eingefasst. Wie füge ich mich da wohl ein mit dem 14 Jahre alten Schmutzfink (an der Strecke kommentiert irgendwer mit leicht belustigtem Ton “Och gugge, ein 26er!”) und noch älterem Trikot, das ein Motto verkündet, dem meine Waden nicht mehr so ganz gerecht werden?

Juja und andere Fahrer:innen im staubigen Massenstart

Von früher kenn ich das ja nämlich so, dass ich am Berg alle einsammeln kann und bergab dann allen im Weg rumsteh. Das ist diesmal anders. Diesmal steh ich auch am Berg allen im Weg rum. Aber das Ende des Startblocks setzt sich nach dem Gong eh nur gemächlich in Bewegung, es ist eher Randonnée als Rennen und jedesmal, wenn irgendwo ne Wurzel querliegt, steht das Feld wieder. In der ersten rumpligen Abfahrt (ich taufe sie Bidonfriedhof) hänge ich in Zeitlupentempo hinter einem Herrn mit teurem Material und kantigem Körper, dem sichtlich die Knie zittern – es gibt also auch hier das Missverhältnis zwischen Optik und Können, aber allzu häufig dann doch nicht, eher bin ich ab der zweiten Hälfte der ersten Runde dann allein im Wald, und zwar nicht, weil ich so furchtbar schnell bin.

Dafür bekomme ich gegen Ende der ersten Runde wieder Gesellschaft von den mich überrundenden Marathontieren, die nicht mein Bedürfnis teilen, auf Singletrails halt defensiv hinten zu bleiben, sondern sich wirklich überall vorbeidrücken, wo sich 50cm Platz bieten. So wird’s nicht langweilig, die Strecke ist auch erfreulich abwechslungsreich mit vielen hübschen, schattigen Trails und zum Glück muss ich ja auch nur drei Runden und die Langstrecke fährt fünf und somit komme ich trotz Gluthitze doch an, bevor Ziel und Verpflegung abgebaut werden. Als ungefähr Vorletzte, aber neues Ziel: wenn ich das Rennen mit 60 noch überlebe, bin ich vermutlich die letzte Frau in meiner AK und dann wird’s schön, ich komm also in 20 Jahren nochmal wieder.

(Alle Rennfotos von René Paritschkow/Mathias Henke/Max Lit/Jens Bibrach gibt’s hier, darunter auch die obigen.)

Far from home

Zelt und Fahrrad vor rotem Sonnenuntergang

“Manchmal sind ungewöhnliche Sachen ja ganz gut. Ich meine, unheimliche Geschichten und nass werden und allein mit allem fertig werden und so. Aber auf die Dauer ist das alles einfach nicht gemütlich.” – Tove Jansson, “Die Mumins – Eine drollige Gesellschaft”