And all the air is filled with pleasant noise of waters.

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Uncertainty excites me baby

Wir fahren ein Gravelbrevet. Weil Pfote uns alle dazu angestiftet hat. Was Gravel ist, weiß ich nicht so richtig, und es erschließt sich mir auch nicht: wenn ich Spaß im Dreck haben will, dann nehm ich das Mountainbike und kann damit alles fahren (oder zumindest dynamisch tragen); wenn ich aber lang und weit fahren will, such ich mir doch halt weniger wurschtige Wege und nehm das Rennrad.

Gravel, das ist die Sportart für Menschen, die Freude daran haben, hundert Kilometer grasige Feldränder zu fahren, weil das so hevorragende “Verbindungsstrecken” sind. Ich bin eher nicht die Zielgruppe, aber es scheint ok zu sein, auf beliebigen Rädern teilzunehmen, und Pfote hat mich ja für meine wertvollen Softskills eingeladen: ich bin extrem gut darin, andere Menschen zu ignorieren, weshalb ich konstant mein eigenes Tempo trete und Pfote davon abhalte, eifrig mit irgendwem davonzuziehen und nach zwanzig Kilometern vor Erschöpfung vom Rad zu fallen, und außerdem bin ich der Antisocializer und unterbinde jeglichen Versuch von Pfote, mit irgendwem rumzustehen und profunde Gespräche über Sattelhersteller und Lenkerbreiten zu führen.

Radfahren ging also gut, die Strecke befand sich aber halt in der Leipziger Tieflandsbucht und bot weder viel Abwechslung noch Höhenmeter (“Ab jetzt wird’s wieder flacher.” – “Als ob das jemals nicht flach gewesen wär!”), insofern war’s eher eine mentale Herausforderung. Zusätzlich auch dadurch, dass wir nie zuvor gemeinsam mit Pfote Rad gefahren waren: Pfote fährt ja gern mit Menschen Rad, um mal zu reden, ich hingegen fahr gern ohne Menschen Rad, weil ich beim Radfahren am liebsten zehn Stunden gar nicht reden möchte, aber nachdem das dann geklärt war, fuhr ich einfach in 50m Abstand hinterher und hatte himmlische Ruhe.

Versorgung war auch prima, Extrapunkte für den “Kartoffelkäfer” aus Pegau, den ich hiermit offiziell zum besten Gebäck der Welt erkläre, und auch das Wetter hielt beinahe durch, nur ein Schauer 20km vor Schluss sorgte nochmal für Panade auf Arsch und Beinen, damit waren wir schneller als erwartet zu Sonnenuntergang zurück in Leipzig bei den ganzen anderen Gravelfahrern mit ironischen Schnauzbärten und unironischen Fahrradkäppis und konnten uns im Ziel an den veganen Schnittchen erfreuen, die ich aufgrund meines Hungers auch für überragend hielt. Reicht.

Draußen (August 2021)

So als Collage wirkt der August fast bisschen monothematisch: Räder und dramatische Wolken, immerhin aber ab und zu auch Sonne, Obst vom Wegrand und schicke fremde Landschaften. Urlaub halt, das kann man schon machen.

I’ve been sitting far too long

So, Pandemie ist vorbei, so scheint es zumindest auf dem Wochenmarkt, und es gibt wieder Wettkampf. Erprobtes Konzept: ich war seit Ostern nicht laufen, aber lass ma gleich zu zwei Läufen anmelden, da laufen wir wenigstens mal. Kann ja nur gut werden. Zudem findet der Oberlausitzer OL direkt an der Tschechischen Grenze statt, ich komm also zumindest zu Fuß mal kurz ins Ausland – wie aufregend!

Auch das Wetter spielt hervorragend mit: nachdem ich ich zwei Tage vorm Rennen noch kurz vorm Hitzschlag war, ist es nun grau und kühl, optimale Laufbedingungen, und optimale OL-Bedingungen, denn anscheinend hat’s hier in letzter Zeit genug geregnet, dass man die Sümpfe auch als solche erkennen kann. Viele Sümpfe, bei der Mitteldistanz am Morgen ist alles voller Sümpfe, die ich wie durch ein Wunder quasi schwebend und trockenen Fußes durchquere, bis ich mir kurz vorm letzten Posten doch noch die Schuhe flute. Da war also viel schönes dabei, alles gefunden hab ich auch trotz des verwirrenden Nordpfeils, der auf tschechischen Karten halt mit “S” beschriftet ist, nur schneller bin ich trotz meiner vorbildlichen Regeneration irgendwie nicht geworden – die OL-Kinder hüpfen alle gazellengleich durch den Wald, ich fühl mich eher wie ein Dachs mit Winterspeck.

Deshalb üben wir das am Nachmittag gleich nochmal beim Sprint, schon auf dem Weg zum Start ziept mein Popo bedenklich. Das haben die Bahnleger berücksichtigt und gleich mal einen ansehnlichen Hügel vor meinen zweiten Posten gelegt, den man quasi auf allen vieren, eine tiefgrüne Fläche auf der Karte durchquerend, erklimmt. Das Hauptproblem ist, dass hier die Posten so dicht stehen, dass meine halbgenaue Orientierung nicht reicht für ein eindeutiges Denkergebnis, da bin ich also noch ein paar mehr Posten angelaufen als unbedingt nötig. Aber da lauf ich wenigstens mal, vielleicht wird’s ja wieder, ne. Daumen drücken.