And all the air is filled with pleasant noise of waters.

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Category: Irgendwas mit Comics

You seem certain that it’s all gone wrong

Ich habe gelernt: das Erzgebirge ist eine Pultscholle. Und deshalb kommen da die Wolken an, bleiben hängen und leeren sich ab. Da, wo ich wohne, hat’s hingegen seit April nicht mehr richtig geregnet, also war der Ausflug zum Rabenberg sowas wie Wettertourismus.

Vordergründig aber natürlich nicht; das erklärte Ziel war, ein Wochenende lang MTBO zu fahren. Mit kühlem Wetter und ab und zu Nieselregen hatten wir gerechnet, aber bei Ankunft war der Wald schon gut durchgeweicht, das Wetter zeigt sich cholerisch und wechselt wild zwischen Wolkenbruch, Nieselregen und Sonnenschein (letzteres manchmal für mehrere Minuten am Stück!). Ok, wird nicht langweilig.

Wird nicht langweilig aus allen Gründen: die Langstrecke beginnt mit einem Stück Trail, das vor mir ein sportiver Herr erst zu Fuß runterstolpert, sich dann doch traut, aufs Rad zu steigen, und sich Sekunden später überschlägt. Mein Adrenalinspiegel steigt zwar beträchtlich, aber ich komm zurecht, das war dann wohl auch meine beeindruckendste Tagesleistung.

Bei der Routenplanung hab ich nämlich noch bisschen Luft nach oben – der Rennmodus ist heute “semi-free order”, was heißt, es gibt zwei Karten, die Posten von Karte 1 müssen alle in der gegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden und die Posten von Karte 2 müssen wir alle irgendwann davor, danach und dazwischen besuchen. Da muss man also mehr denken, als das mein Hirn im Rennen hergibt – zwar hab ich am Start einen ganz guten Plan gemacht, aber wenn ich den dann unterwegs spontan verwerfe, ist er halt auch nicht viel wert.

Zudem steht uns auf der Karte ein größeres Sperrgebiet im Weg, wo vermutlich Forstarbeiten stattfinden; allerdings sind in der Wirklichkeit noch viel größere Teile des Walds mit Flatterband verziert und Schilder künden von drohender Lebensgefahr und da weiß ich auch nicht, ob man das jetzt ignorieren sollte oder lieber nicht – die erste Absperrung respektiere ich und fahre deshalb einen sinnlosen Umweg runter ins Dorf und wieder hoch, dann muss ich aber doch irgendwie wieder zurück auf diesen Hauptweg, muss dort mein Fahrrad über einen nassen Holzstapel bugsieren und am Ende ist auch schon alles egal, oft genug fahr ich auch über irgendwelche unmarkierten Rumpelwege in so ein Sperrgebiet rein und merke erst beim Rausfahren, dass ich da nicht hätte sein sollen. Ich hätt mir gewünscht, dass Veranstalter und Forstbehörde sich für eine lang im Vorfeld angemeldete und genehmigte deutsche Meisterschaft irgendwie besser hätten abstimmen können (und sei’s nur, dass die Forstbehörde mitteilt, dass zum angefragten Zeitpunkt der ganze Wald gesperrt sein wird und das Rennen bitte woanders stattfindet), naja, doof gelaufen.

Wenn ich dann noch Energie übrig gehabt hätte, hätt ich auch noch über die Bahnlegung schimpfen können – da musste man mehrmals den Berg runter und dann gleich wieder hoch, teilweise auf der selben Route, sowas ist doch nicht schön, das zehrt doch einfach nur. Aber wir sind angekommen, komplett vermatscht, ich war überzeugt, zu Recht Letzte zu werden, aber hab am Ende doch aufm Treppchen gestanden, juhu?

Am Sonntag hatte sich das Wetter dann endlich auch auf Ausdauerleistung eingespielt, bei 8°C hatte es sich eingeregnet und hörte nicht mehr auf. Immerhin hatte ich morgens mal kurz trockene Sachen an, aber wenn man bei diesem Wetter zum Start der Mittelstrecke rollt, fragt man sich schon, was man eigentlich für idiotische Hobbies hat. Das gibt sich aber natürlich, sobald man im Rennen ist, denn das macht ja Spaß, und heute kam mir auch die Bahn bisschen mehr entgegen: gleich am Anfang ein länglicher Kindertrail, verständliche Postenverbindungen und fahrbare Anstiege (von einigen Ausnahmen abgesehen, sonst wär’s ja nicht die Eliteklasse). Außerdem treffe ich alle meine Gegnerinnen im Wald, kann also mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich vor Antonija liege und Anke2 halt einfach die entscheidenden 5% fitter ist als ich und somit auch vor mir den Zielanstieg hochhüpft (“Dieser Endposten ist eine Gemeinheit!” – “Der bleibt euch wenigstens in Erinnerung!”). Ich komme aber auch sehr verdreckt und zufrieden ins Ziel, jippie, geschafft, zurück ins Trockene.

How ever did you come to be here?

Ist ja gut und wichtig, auch immer mal die völlig absurden Schnapsideen umzusetzen: ach, diesjahr gibt’s endlich wieder einen Thüringer 24h-OL? Das ist ja schön. Ja, und joggen waren wir alle diesjahr auch schonmal – da könnten wir doch ne Mannschaft machen? (Ein letzter Rest von Realismus: eine vierköpfige 12-Stunden-Staffel, nicht ganz das volle Programm.)

Wir sind auf jeden Fall sowohl das ambitions- (“Heute mach ich so viel OL wie in den letzten fünf Jahren in Summe!”) als auch planloseste Team, bis zum Start werden noch Strecken ausgewürfelt und ich kann auch nicht rekostruieren, wie ich am Ende die Mottostrecke “Sichten und Sitze” (TH4) gefangen habe – wenig Höhenmeter hatte ich mir gewünscht, wenig Posten hab ich bekommen, Martin war glaub ich der Meinung, ich könne ja laufen und da müsse man laufen. Tatsächlich kann man das hier komplett auf Weg zurücklegen, meine eine Gebüschquerung dient mehr dem guten Gefühl als der Verbesserung der Gesamtzeit, die Posten hängen easy und die Beine sind willig, das lief also gar nicht mal schlecht und katapultierte mich direkt in leichte Selbstüberschätzung.

Da wir weiters mit unseren vier naturwissenschaftlich diplomierten Hirnen ermitteln können, dass 4 x 4 > 12, sehen wir recht zeitig (und rechtzeitig) ein, dass wir wohl nicht drumrum kommen, auch die schweren Bahnen zu laufen, und Selbstüberschätzung ahoi, immer her damit, ich nehm gleich mal die mit den tausend (also 15) Posten (H3), solang mein Hirn noch frisch ist. Letzterer Fakt ist in der Praxis aber zweifelhaft, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich auf gut 3km OL mal soviel Mist gebaut hab. Mit dieser Serie von Irrungen und Wirrungen erziele ich dann auch gleich die längste Bahnlaufzeit unseres Teams heute.

Ok, Selbstbild korrigieren, ich kann also offenbar doch nicht orientieren, bitte gebt mir was einfaches. Dafür hab ich, abgesehen von allgemeiner Verbrauchtheit, aber noch keine Knie- oder sonstigen Schmerzen, also nehm ich auch gern was einfaches längeres: die E6 bitte, 4,6km mit mutmaßlich simplen Posten. Das passt soweit, die Beine lassen zwar schon merklich nach und die Laufpassagen muss ich bisschen watscheln, aber der Wald sieht genau so aus, wie ich ihn mir nach Sichtung der Karte vorgestellt hab, und die Posten hängen da, wo ich sie erwarte, das ist doch sehr schön so.

Zurück am Wechsel bin ich allerdings bleiern müde, falle auf den Rasen und fühl mich wie ein gestrandeter Wal, mit diesen Beinen soll ich nochmal laufen?! Ich bekomme dann die allerkürzeste Strecke (E1) zum Abschluss, nochmal 2km mehr wandern als joggen, immerhin auch völlig auf Autopilot, denn inzwischen führen zu vielen Posten sehr deutliche Trampelpfade, wenn man also grob in die richtige Richtung läuft, dann findet man schon was, und bei den meisten weiß ich inzwischen eh, wie das Objekt aussieht, das ich suche. Also wirklich easy zum Abschluss, sodass ich nun direkt in die Verklärtheit fallen kann: in zwei Jahren dann 24 Stunden, ja?

Your Next Move’s Not Written

Endlich gibt’s wieder in regelmäßigen Abständen MTBOs, das stimmt mich immer noch euphorisch! Dieses Wochenende ist Petzow dran – im schon bekannten KiEZ “Inselparadies” veranstaltet der OLV Potsdam ein MTBO-Wochenende.

Am Samstag Nachmittag geht’s los mit einer Langstrecke, aber die logistische Herausforderung gab’s schon sieben Stunden vorm Wettkampf: zu nachtschlafener Zeit aufstehen, zum Bahnhof rollen, im Dämmerzustand nach Michendorf tuckern, von dort in Seniorentempo zum vermuteten WKZ in Petzow radeln, kein WKZ vorfinden, weiter zum Start bei Ferch rollen. Da haben wir also schon knapp 20km in den Beinen, eh das Rennen losgeht, und die paar Frühstücksbrötchen sind vermutlich auch schon fast durch. Hätte man sich denken können, wenn man nicht so müd gewesen wär.

Ich steh also auch im Dämmerzustand am Start, die ersten drei Kreuzungen laufen im Standbymodus, immerhin aber richtig, und dann ist mein Hirn auch endlich wach und dabei. Die Überraschung des Tages ist, dass wir uns zwar in Brandenburg befinden, aber flach ist das hier noch lange nicht; auf 30km Strecke finde ich über 300Hm, alles verteilt auf garstige Minianstiege. Das zehrt, und auch die Wegequalität ist reines Glücksspiel: was in Brandenburg als gut befestigte Straße auf der Karte eingemalt ist, kann in Wirklichkeit ein Streifen historisches Buckelpflaster mit tiefen Sandgruben links und rechts sein (hier hat’s auch lange nicht geregnet!), insofern kann es passieren, dass sich Trails und Schneisen sogar etwas schneller fahren lassen. Allerdings kann’s auch passieren, dass Trails und Schneisen einfach völlig verwachsen oder von kürzlich umgestürzten Bäumen versperrt sind, das kann man nur durch den Versuch feststellen. Ist aber auch nicht das Hauptproblem, denn nach dem halben Rennen ist einfach arg mein Akku leer, die zugeführte Notnahrung hilft kaum und ich bin ganz froh, als ich nach einer letzten Fehlentscheidung (Peer Pressure – wenn da vor mir zwei Profiherren in die falsche Richtung fahren!) endlich ins Ziel rolle.

Nach einem gemütlichen Abend am See sind wir dann am Sonntag Morgen überraschend gut regeneriert für den 20-Seen-MTBO (4h Score im Zweierteam), aus Vereinfachungsgründen haben wir diesmal ca. 20m entfernt von der Startlinie genächtigt. Und ich hab sehr ordentlich gefrühstückt, Energiemangel wird also mal nicht das Problem. Vielleicht aber die Planung: wir können beide nicht abschätzen, wie viel von der Karte wir wohl abzufahren schaffen und ob die Sonderwertung realistisch ist, na egal, erstmal in irgendeine Richtung los, der Rest ergibt sich dann schon. Am ersten Posten kraxeln vor uns schon vier weitere Teams auf Postensuche über einen Erdwall, Justus findet ihn und wir kommen zügig weiter. Gleicher Spaß beim zweiten Weinbergposten (ja, es gibt/gab hier Wein-“Berge”!), die real existierenden Wege entsprechen nur marginal der Karte und wir wurschteln uns mit drei anderen Teams in einen bescheuerten Sandweg rein, eh Justus dann endlich mal meine Zweifel erhört und wir mit der ganzen Mannschaft umkehren und den unsichtbaren Abzweig zum Posten finden.

Nachdem im Norden viel besiedeltes Gebiet auf hauptsächlich Asphalt zu durchqueren war, wird’s im Süden der Karte nun wieder deutlich sandiger – wenn der Matschreifen diesjahr schon bisschen sinnlos erscheint, taugt das Profil immerhin hierfür. Die Moral bleibt jedenfalls hoch, wir sind für jeden Spaß zu haben: “Oh, das ist kein Weg. Also, das ist schon genau der Weg, den wir nehmen wollten, aber… ach egal, lass ma da lang fahren.” (Und während man durchs Moos holpert und sein Rad über umgestürzte Bäume hebt, kommt einem ein ebenso bescheuertes Team entgegen, so ein schöner Sport.) Außerdem kommen wir gut voran, die Sonderwertung muss also doch drin sein, also einmal wildromantisch parallel zur Autobahn quer über die Karte, Sonderposten abgehakt, und wieviel Zeit haben wir eigentlich noch? Justus überredet mich zu seinen ambitionierten Plänen und das haut soweit auch hin, nur vorm letzten anvisierten Posten am Krähenberg geraten wir in eine Sackgasse, brechen den Versuch dann doch ab und rasen erstmal zurück Richtung Ziel, wo wir dann aber natürlich noch Restzeit haben und deshalb noch schnell zu einem Zehner in der Nähe und zurück bolzen, ohne irren Zielsprint und zwei Minuten Strafzeit ist es schließlich kein richtiger MTBO. Es hat sich jedenfalls gelohnt, es gab lokalen Wein für uns und wir kommen gerne wieder!